Die Gegenübertragung – das heißt alle Gefühle, Einstellungen, Fantasien etc., die unser Gegenüber in uns auslöst – erlaubt Aussagen über die verinnerlichten Beziehungsmuster unserer Patienten. Diese Funktion der Gegenübertragung ist seit dem Aufsatz von Paula Heimann mit dem Titel „On Counter-Transference“ (1950) bekannt.
Bei traumatisierten Menschen hat sie noch eine weitere Bedeutung: Durch die Gegenübertragung werden Aussagen über den Stand der Traumaverarbeitung möglich.
In dem Seminar werden Methoden vorgestellt, wie eine systematische Gegenübertragungsanalyse gezielt genutzt werden kann, um einerseits die therapeutische Beziehung entwicklungsfördernd zu gestalten und andererseits die Integrationsstufe von Traumata zu bestimmen. So lassen sich wirksame Interventionen ableiten.
Zielgruppe: PsychotherapeutInnen, BeraterInnen und Fachkräfte im psychosozialen Bereich.
Um 10:00 Uhr findet ein zusätzlicher Präsenzvortrag statt.
Beide Veranstaltungen ergänzen sich gut, können jedoch auch unabhängig besucht werden.
Vergünstigte Gebühr: Bei gemeinsamer Buchung beider Module (Vortrag um 10:00 und Workshop um 14:00) reduziert sich der Gesamtpreis auf € 174.- statt € 194.-.
Wird Gegenübertragung als Manifestation dessen definiert, was im Patienten nicht verarbeitet werden kann und sich im Therapeuten zeigt (vgl. Ermann, 2008), wird unmittelbar verständlich, dass der Umgang mit traumatisierten PatientInnen große Anforderungen an die Behandler stellt.
In dem Vortrag wird die Geschichte des Begriffs der Gegenübertragung nachgezeichnet. Unterschiedliche Formen der Gegenübertragung werden anhand entwicklungspsychologischer Konzepte differenziert. Es wird aufgezeigt, wie die Gegenübertragung genutzt werden kann, um den Stand im Trauma-Verarbeitungsprozess zu bestimmen. Zudem wird dargestellt, wie sich die therapeutische Beziehung entwicklungsfördernd gestalten lässt.
Zielgruppe: PsychotherapeutInnen, BeraterInnen und Fachkräfte im psychosozialen Bereich.
Um 14:00 Uhr findet ein zusätzlicher Workshop statt.
Beide Veranstaltungen ergänzen sich gut, können jedoch auch unabhängig besucht werden.
Vergünstigte Gebühr: Bei gemeinsamer Buchung beider Module (Vortrag um 10:00 und Workshop um 14:00) reduziert sich der Gesamtpreis auf € 174.- statt € 194.-.
Scham gehört zu den stillsten, aber zugleich wirkmächtigsten Emotionen in traumatischen Lebensgeschichten. Sie zeigt sich auf unterschiedliche Weise – bei Klient:innen ebenso wie bei uns als Begleiter:innen und Fachkräften: etwa in Rückzug, übermäßiger Selbstkritik, Vermeidung oder in leisen Sätzen, die lange nachhallen.
Gerade in der psychosozialen Arbeit beeinflusst Scham Beziehungsgestaltung, Kontakt und emotionale Regulation oft stärker, als uns bewusst ist.
In diesem 45-minütigen Onlineimpulsvortrag zu dem 1,5-tägigen Präsenzseminar „Schuld und Scham in Beratung und Begleitung“ erhalten Sie einen ersten Einblick in:
– die Entstehung und Dynamik von Scham im Kontext von Trauma
– typische Muster, die in Beratung und Therapie sichtbar werden
– die Bedeutung der eigenen Resonanz als Fachkraft
– erste, unmittelbar anwendbare Impulse für einen sicheren Umgang mit Schamgefühlen
Anhand praxisnaher Beispiele und konkreter Reflexionsanregungen lädt der Vortrag dazu ein, eigene Perspektiven zu erweitern und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln und einen Ausblick auf das vertiefende 1,5-tägige Seminar am 30. & 31.10.26 zu gewinnen.
Dissoziative Anfälle und andere funktionelle Störungen gehören zu den häufigsten Krankheitsbildern in der klinischen Neurologie.
Dennoch werden sie oft verkannt, missverstanden und falsch behandelt. Die Zusammenführung psychotraumatologischer Konzepte und neuerer Erkenntnisse aus den kognitiven Neurowissenschaften ermöglichen einen ganzheitlichen Blick auf diese Störungen und ebnen den Weg zu einer transdisziplinären Versorgung.
Zielgruppe: Fachärzt*innen für Neurologie und Psychiatrie, Psychologische Psychotherapeut*innen, Traumatherapeut*innen, Neuropsycholog*innen, Ärzt*innen in Weiterbildung sowie weitere Berufsgruppen aus dem psychosozialen und medizinischen Bereich
Inhalt:
Die Dialektisch Behaviorale Therapie (DBT) nach Marsha Linehan ist seit über drei Jahrzehnten auf dem Psychotherapie-Markt und findet in immer mehr Bereichen Anwendung. Sie ist nicht nur bei Patienten beliebt, sondern auch bei Therapeuten – und das, obwohl die DBT für Betroffene konzipiert wurde, deren Behandlung als anstrengend, kräftezehrend und hoffnungslos gilt.
Was macht diese Therapie so besonders? Was hatte sich die Begründerin Marsha Linehan gedacht, als sie in den 1980er Jahren die Psychotherapie-Welt auf den Kopf stellte und begann, mit dieser Methode mit chronisch suizidalen Patientinnen zu arbeiten?
In diesem Workshop wird die Konzeption der DBT dargestellt und die Besonderheit dieses einzigartigen Ansatzes herausgearbeitet. Neben dem dialektischen Herangehen wird ein Überblick über die wichtigsten therapeutischen Interventionen vermittelt und deren diagnoseübergreifende Einsatzmöglichkeiten diskutiert.
Zielgruppe:
Psychologische und ärztliche Psychotherapeuten, therapeutisches Fachpersonal
Weitere Hinweise:
– Die Bereitschaft zur aktiven Teilnahme wird vorausgesetzt, mit eingeschaltener Kamera
– Jede:r Teilnehmende ist selbst verantwortlich für funktionierende Kamera und Mikrofon
Begleitende Literatur:
Marsha M. Linehan, 2021: Building a Life Worth Living: A Memoir
Martin Bohus, 2024: DBT-Skillstraining: Das Patienten-Manual
Diagnostic questions
Does this patient suffer from dissociative amnesia, or are memory problems caused by episodes of absorption or concentration difficulties, or something else?
Are the voices psychotic, dissociative, or both?
How should identity problems be evaluated? Are they connected with (alternatively caused by) the existence of dissociative parts of the personality, or can they be explained as part of personality disorder pathology?
How can dissociative parts of the personality be distinguished from borderline modes or ego states?
Treatment questions
Once the diagnosis has been made, how should treatment be initiated?
Is phase-oriented treatment necessary, and if so, how long should it last?
How should patients with severe attachment problems be managed?
How should ongoing abuse be addressed?
How can therapist burnout, emotional overwhelm, or countertransference difficulties be prevented?
Day 1: Diagnostic focus
On Day 1, the focus is on diagnostic questions, introducing the Trauma and Dissociation Symptoms Interview (TADS-I). This interview differs from other semi-structured interviews in several ways:
It includes a section on other trauma-related symptoms in order to:
a) Develop a more complete clinical picture of possible comorbidity, including symptoms of PTSD and complex PTSD
b) Gain greater insight into the (possible) dissociative organization of the personality
c) Differentiate complex dissociative disorders from personality disorders and other conditions, such as (complex) PTSD, mood disorders, or psychotic disorders
Finally, the TADS-I aims to distinguish between:
Symptoms referring to a division of the personality
Symptoms involving other alterations of consciousness that are not necessarily dissociative
In a pilot study, the TADS-I was able to reliably differentiate DD patients from non-DD patients. Dissociative disorder (DD) patients differed significantly from non-DD patients in severity across all symptom profiles, including trauma-related symptoms and alterations of consciousness (Boon, Cavaletti & Boldrini, 2025).
Clinical examples and video clips will be used.
Day 2: Treatment focus
On Day 2, the focus is on major challenges in the treatment of complex dissociative disorders, such as:
Is a phase-oriented treatment model necessary, or can trauma memories be processed immediately?
Do we need a working alliance (and if so, with whom- which parts?)
What are the complications in patients with severe attachment problems?
How should ongoing abuse be addressed?
How can therapist burnout, emotional overload, or difficulties with countertransference be prevented?
References
Diagnosis:
Boon, S. (2023). Assessing Trauma-Related Dissociation with the Trauma and Dissociation Symptoms Interview. New York: W.W. Norton & Company.
German translation:
Boon, S. Die Diagnostik traumabedingter Dissoziation: Mit dem Trauma and Dissociation Symptoms Interview (TADS-I) arbeiten . Junfermann Verlag.
Boon-Langelaan, S., Cavaletti, M., Boldrini, M. P., & Runhaar, M. (2025). The Trauma and Dissociative Symptoms Interview (TADS-I): Results of a pilot study. European Journal of Trauma & Dissociation, 100611.
Treatment
Boon, S., Steele, K., & Van der Hart, O. (2013). Traumabedingte Dissoziation bewältigen – Ein Skills-Training für Klienten und ihre Therapeuten. Junfermann Verlag.
Steele, K., Boon, S., & Van der Hart, O. (2017). Die Behandlung traumabasierter Dissoziation – Eine praxisorientierte, integrative Vorgehensweise . G.P. Probst Verlag.
Bindungstraumatisierung ist keine Diagnose im Sinne der klassischen Diagnosesysteme (ICD, DSM). Dennoch kann sie weitreichende Folgen auf die Beziehungsgestaltung sowie auf die körperliche und psychische Gesundheit haben.
In diesem Vortrag wollen wir zunächst grundsätzlich klären, was unter Bindungstraumatisierung verstanden wird. Dabei nähern wir uns dem Thema aus einer nervensystemischen Perspektive an.
Darüber hinaus soll eine Idee vermittelt werden, warum es hilfreich sein kann, Bindungstraumatisierung auch im Kontext von Diagnosen zu berücksichtigen, die auf den ersten Blick nicht unmittelbar mit Trauma assoziiert werden – wie z. B. Depressionen oder chronische Entzündungsprozesse.
Der Vortrag bietet einen ersten Überblick über dieses Thema und richtet sich an alle Interessierten.
Mitschnitte sowie das Verbreiten von Inhalten sind urheberrechtlich untersagt.
Dieser Vortrag soll einen kurzen Einblick geben, wie unser Körper auf ein traumatisches Ereignis reagiert. Unter Einbezug der Polyvagaltheorie von Stephen Porges und des Stresstoleranzfensters von Daniel Siegel ist es möglich, diesen körperlichen Ausnahmezustand nach traumatischen Erfahrungen besser zu verstehen.
Wie reagiert der Körper auf Traumatisierung? Weshalb gerät jemand nach einer Traumatisierung immer wieder in diese Ausnahmezustände? Und was bedeutet diese körperliche Regulationsstörung für die zukünftige Kontakt- und Beziehungsgestaltung traumatisierter Menschen?
Aus dieser eher körperpsychotherapeutischen sowie beziehungsorientierten Perspektive lassen sich therapeutische Implikationen für die praktische Arbeit ableiten, die ich in diesem Vortrag mit Ihnen teilen möchte.
Zielgruppe:
Vorrangig Menschen, die im sozialen Bereich tätig sind (Beraterinnen, Therapeutinnen, Sozialpädagog*innen), aber auch andere Interessierte.
Mitschnitte sowie das Verbreiten von Inhalten sind urheberrechtlich untersagt.
In Beziehung kommen mit beziehungstraumatisierten Jugendlichen
Psychotherapie mit früh und komplex traumatisierten Jugendlichen stellt für Therapeutinnen und Therapeuten sowie für Bezugspersonen eine besondere Herausforderung dar.
Die Betroffenen leiden in der Regel unter schweren Bindungsstörungen als Folge ihrer frühen Beziehungstraumatisierungen. Während sich manche Kinder noch scheinbar symptomfrei an ungünstige Lebensbedingungen anpassen, manifestieren sich spätestens im Jugendalter – nach dem „Bröckeln der Abwehr“ – vielfältige Traumafolgesymptome.
Der therapeutische Ansatz basiert auf der personzentrierten therapeutischen Haltung, insbesondere auf Wertschätzung, Empathie und Authentizität.
Ergänzt wird er durch Erkenntnisse aus der Bindungsforschung, etwa durch das Angebot und die Aufrechterhaltung von Beziehung sowie die Ermöglichung von Nachentwicklung. Hinzu kommen neurowissenschaftliche Erkenntnisse, beispielsweise zur Neurobiologie früher Stressverarbeitung und zur Psychoedukation, sowie anerkannte traumatherapeutische Grundsätze und Methoden.
Dazu zählen insbesondere die Gewährleistung von Sicherheit, die Aktivierung von Ressourcen, der Umgang mit traumabedingten Symptomen und schonende Trauma-Interventionen.
Dieser Ansatz kann in einem vertiefendem Seminar mit integriertem Supervisionsteil erlernt werden.
In dem eineinhalbstündigen Online-Vortrag am 08.10.2026 wird zum einen ein Einblick in die Befindlichkeit dieser Jugendlichen vermittelt. Zum anderen werden, ausgehend davon, wesentliche Bausteine für einen tragfähigen Beziehungsaufbau sowie für eine längerfristige therapeutische Begleitung aufgezeigt.
Zielgruppe:
Kinder- und Jugendlichen-Therapeut:innen aller Therapierichtungen, Mitarbeiter:innen sozialer Einrichtungen wie Beratungsstellen, öffentliche Erziehungseinrichtungen, z.T. auch Ergotherapeut:innen
Literatur:
Heidi Zorzi: „Psychotherapie mit komplex traumatisierten Jugendlichen – Ein integrativer Ansatz für die Praxis“
Klett-Cotta, 2019
Für diesen Vortrag werden Fortbildungspunkte beantragt.
Umfang: 9 UEs
Bitte melden Sie sich in diesem Kurs an, wenn Sie KEINEN eigenen Fall in der Supervision einbringen möchten.
Die Supervision ist nur für die Teilnehmenden des aktuellen Curriculums vorgesehen.