Scham ist eine zutiefst soziale und bindungsbezogene Emotion. Sie entsteht im Blick realer oder vorgestellter anderer und betrifft nicht nur eine Handlung, sondern das Erleben der eigenen Person: „Mit mir stimmt etwas nicht. Ich bin beschädigt, minderwertig oder der Zugehörigkeit nicht würdig. Besonders nach sexualisierter Gewalt in der Kindheit kann Scham über lange Zeit fortbestehen. Sie erschwert das Sprechen über die Erfahrung, beeinflusst die Reaktionen auf Offenlegung und kann den Zugang zu Hilfe und tragfähigen Beziehungen behindern.
Der Vortrag verbindet bindungstheoretische und traumatherapeutische Perspektiven mit aktuellen Forschungsergebnissen zur Scham nach sexualisierter Gewalt in der Kindheit. Er zeigt, wie Scham in missbrauchenden und beschämenden Beziehungen entsteht, durch Reaktionen des familiären und sozialen Umfeldes verstärkt werden kann und schließlich das Selbstbild, die Beziehungsfähigkeit sowie das Offenlegen traumatischer Erfahrungen prägt. Scham wird dabei nicht lediglich als Begleitsymptom verstanden, sondern als ein zentraler Mechanismus, durch den Gewalt und Beziehungserfahrungen im Selbst fortwirken.
Bindungstraumatisierung ist keine Diagnose im Sinne der klassischen Diagnosesysteme (ICD, DSM). Dennoch kann sie weitreichende Folgen für Beziehungsgestaltung sowie auf körperliche und psychische Gesundheit haben. In diesem Vortrag wollen wir zunächst grundsätzlich klären, was unter Bindungstraumatisierung verstanden wird. Dabei nähern wir uns dem Thema aus einer nervensystematischen Perspektive an. Darüber hinaus soll eine Idee vermittelt werden, warum es hilfreich sein kann, Bindungstraumatisierung auch im Kontext von Diagnosen zu berücksichtigen, die auf den ersten Blick nicht unmittelbar mit Trauma assoziiert werden wie z.B. Depressionen oder chronische Entzündungsprozesse. Der Vortrag bietet einen ersten Überblick über dieses Thema und richtet sich an alle Interessierten.
Bindungstraumatisierung ist keine eigenständige Diagnose im ICD. Und dennoch kann es für die Behandlung psychisch belasteter Menschen hilfreich sein, ein grundlegendes Verständnis davon zu haben. Warum? Genau dieser Frage möchte ich in meinem Vortrag nachgehen.
Wir beginnen bei der klassischen Bindungstheorie, werfen einen kurzen Blick auf Traumatisierung im Allgemeinen und beschäftigen uns etwas ausführlicher mit Stressregulation. Aus dieser Perspektive kann sich der Blick auf Diagnosen wie zum Beispiel Depression, Angstörungen oder auch Sucht verändern. Darüber hinaus bringt Bindungstraumatisierung einige Besonderheiten mit sich, die auch für die therapeutische Arbeit relevant sein können. Hierzu möchte ich einige grundlegende Gedanken Anregungen mit auf den Weg geben.
Der Vortrag versteht sich als Einführung und als Einladung, vertraute Phänomene einmal aus einer etwas anderen Perspektive zu betrachten.
In diesem Vortrag wird deutlich gemacht, wie man sicher von Anfang an mit Traumatisierungen arbeitet und zügig zur Traumakonfrontation kommt. Anhand des Prozessmodells wird dargestellt, wie das methodenübergreifend möglich ist.
Unabhängig von den spezifischen Charakteristika der einzelnen Methoden bekommen die Teilnehmenden einen Kompass an die Hand für die Begegnung und Zielsetzung in der Beratung oder Therapie ihrer Klient:innen.
Zielgruppe: PsychotherapeutInnen, psychosoz. Fachkräfte, Ärzt:innen, Berater:innen
Einführung in die Respiratorische Neuromodulation bei Dissoziation
Dieser 90-minütige Vortrag gibt einen kompakten Überblick über die Respiratorische Neuromodulation bei Dissoziation. Vermittelt werden die neurophysiologischen Grundlagen zentraler und peripherer dissoziativer Prozesse sowie aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu deren Entstehung und Regulation.
Im Fokus stehen die Bedeutung von Atmung, Körperwahrnehmung und autonomem Nervensystem für dissoziative Zustände. Vorgestellt werden theoretische Wirkmodelle körperorientierter Interventionen und deren Bedeutung für Stabilisierung, Selbstregulation und traumasensible Begleitung.
Der Vortrag richtet sich an Fachkräfte aus Therapie, Beratung und Pädagogik, die ihr Verständnis dissoziativer Phänomene um neurobiologische und körperorientierte Perspektiven erweitern möchten.
Traumafokussierte Psychotherapie zählt zu den wirksamsten Behandlungsverfahren der Posttraumatischen Belastungsstörung. Gleichzeitig besteht insbesondere bei Patient:innen, die Opfer von Straftaten wurden oder ein Strafverfahren erwägen, häufig die Sorge, therapeutische Interventionen könnten Erinnerungen verändern und dadurch die spätere Aussage beeinträchtigen. Der Vortrag beleuchtet dieses Spannungsfeld zwischen psychotherapeutischer Behandlung und aussagepsychologischen Anforderungen.
Ausgehend von aktuellen Erkenntnissen zur Funktionsweise autobiografischer
Erinnerungen werden Grundlagen der Gedächtnispsychologie (u. a. Rekonsolidierung, Source Monitoring, Fuzzy Trace Theory) sowie mögliche Mechanismen von Erinnerungsveränderungen dargestellt. Anschließend wird diskutiert, welche Bedeutung diese Erkenntnisse für traumafokussierte Verfahren wie Prolongierte Exposition, EMDR und Imagery Rescripting haben. Dabei werden sowohl aktuelle internationale Forschung als auch eigene experimentelle Studien vorgestellt, die den Einfluss traumafokussierter Interventionen auf die Erinnerungsgenauigkeit untersuchen.
Anhand praxisnaher Fallbeispiele werden schließlich konkrete Handlungsempfehlungen für den therapeutischen Alltag erarbeitet. Ziel ist es, evidenzbasierte Traumatherapie und forensische Sorgfalt miteinander zu verbinden und einen reflektierten Umgang mit Traumaerinnerungen in der klinischen Praxis zu fördern.
Lernziele
  • die Funktionsweise autobiografischer Erinnerungen und zentrale Mechanismen
  • von Erinnerungsveränderungen erläutern,
  • aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zum Einfluss traumafokussierter
  • Psychotherapie auf Erinnerungen kritisch einordnen,
  • therapeutische Risiken suggestiver Vorgehensweisen erkennen und vermeiden,
  • den rechtlichen und aussagepsychologischen Kontext traumatherapeutischer
  • Behandlungen berücksichtigen,
  • praktische Handlungsempfehlungen für den professionellen Umgang mit Traumaerinnerungen im klinischen Alltag anwenden.
Methoden
  • Fachvortrag mit aktueller Evidenz
  • Darstellung und Diskussion klinischer Fallbeispiele
  • Einordnung aktueller Forschungsergebnisse
  • Praxisorientierte Handlungsempfehlungen
  • Diskussion und Erfahrungsaustausch
Dissoziative Anfälle und andere funktionelle Störungen gehören zu den häufigsten Krankheitsbildern in der klinischen Neurologie.
Dennoch werden sie oft verkannt, missverstanden und falsch behandelt. Die Zusammenführung psychotraumatologischer Konzepte und neuerer Erkenntnisse aus den kognitiven Neurowissenschaften ermöglichen einen ganzheitlichen Blick auf diese Störungen und ebnen den Weg zu einer transdisziplinären Versorgung.
Zielgruppe: Fachärzt*innen für Neurologie und Psychiatrie, Psychologische Psychotherapeut*innen, Traumatherapeut*innen, Neuropsycholog*innen, Ärzt*innen in Weiterbildung sowie weitere Berufsgruppen aus dem psychosozialen und medizinischen Bereich
Bindungstraumatisierung ist keine Diagnose im Sinne der klassischen Diagnosesysteme (ICD, DSM). Dennoch kann sie weitreichende Folgen auf die Beziehungsgestaltung sowie auf die körperliche und psychische Gesundheit haben.
In diesem Vortrag wollen wir zunächst grundsätzlich klären, was unter Bindungstraumatisierung verstanden wird. Dabei nähern wir uns dem Thema aus einer nervensystemischen Perspektive an.
Darüber hinaus soll eine Idee vermittelt werden, warum es hilfreich sein kann, Bindungstraumatisierung auch im Kontext von Diagnosen zu berücksichtigen, die auf den ersten Blick nicht unmittelbar mit Trauma assoziiert werden – wie z. B. Depressionen oder chronische Entzündungsprozesse.
Der Vortrag bietet einen ersten Überblick über dieses Thema und richtet sich an alle Interessierten.
Mitschnitte sowie das Verbreiten von Inhalten sind urheberrechtlich untersagt.
Dieser Vortrag soll einen kurzen Einblick geben, wie unser Körper auf ein traumatisches Ereignis reagiert.
Unter Einbezug der Polyvagaltheorie von Stephen Porges und des Stresstoleranzfensters von Daniel Siegel ist es möglich, diesen körperlichen Ausnahmezustand nach traumatischen Erfahrungen besser zu verstehen.
Wie reagiert der Körper auf Traumatisierung? Weshalb gerät jemand nach einer Traumatisierung immer wieder in diese Ausnahmezustände? Und was bedeutet diese körperliche Regulationsstörung für die zukünftige Kontakt- und Beziehungsgestaltung traumatisierter Menschen?
Aus dieser eher körperpsychotherapeutischen sowie beziehungsorientierten Perspektive lassen sich therapeutische Implikationen für die praktische Arbeit ableiten, die ich in diesem Vortrag mit Ihnen teilen möchte.
Zielgruppe:
Vorrangig Menschen, die im sozialen Bereich tätig sind (Beraterinnen, Therapeutinnen, Sozialpädagog*innen), aber auch andere Interessierte.
Mitschnitte sowie das Verbreiten von Inhalten sind urheberrechtlich untersagt.
In Beziehung kommen mit beziehungstraumatisierten Jugendlichen
Psychotherapie mit früh und komplex traumatisierten Jugendlichen stellt für Therapeutinnen und Therapeuten sowie für Bezugspersonen eine besondere Herausforderung dar.
Die Betroffenen leiden in der Regel unter schweren Bindungsstörungen als Folge ihrer frühen Beziehungstraumatisierungen. Während sich manche Kinder noch scheinbar symptomfrei an ungünstige Lebensbedingungen anpassen, manifestieren sich spätestens im Jugendalter – nach dem „Bröckeln der Abwehr“ – vielfältige Traumafolgesymptome.
Der therapeutische Ansatz basiert auf der personzentrierten therapeutischen Haltung, insbesondere auf Wertschätzung, Empathie und Authentizität.
Ergänzt wird er durch Erkenntnisse aus der Bindungsforschung, etwa durch das Angebot und die Aufrechterhaltung von Beziehung sowie die Ermöglichung von Nachentwicklung. Hinzu kommen neurowissenschaftliche Erkenntnisse, beispielsweise zur Neurobiologie früher Stressverarbeitung und zur Psychoedukation, sowie anerkannte traumatherapeutische Grundsätze und Methoden.
Dazu zählen insbesondere die Gewährleistung von Sicherheit, die Aktivierung von Ressourcen, der Umgang mit traumabedingten Symptomen und schonende Trauma-Interventionen.
Dieser Ansatz kann in einem vertiefendem Seminar mit integriertem Supervisionsteil erlernt werden.
In dem eineinhalbstündigen Online-Vortrag am 08.10.2026 wird zum einen ein Einblick in die Befindlichkeit dieser Jugendlichen vermittelt. Zum anderen werden, ausgehend davon, wesentliche Bausteine für einen tragfähigen Beziehungsaufbau sowie für eine längerfristige therapeutische Begleitung aufgezeigt.
Zielgruppe:
Kinder- und Jugendlichen-Therapeut:innen aller Therapierichtungen, Mitarbeiter:innen sozialer Einrichtungen wie Beratungsstellen, öffentliche Erziehungseinrichtungen, z.T. auch Ergotherapeut:innen
Literatur:
Heidi Zorzi: „Psychotherapie mit komplex traumatisierten Jugendlichen – Ein integrativer Ansatz für die Praxis“
Klett-Cotta, 2019
Für diesen Vortrag werden Fortbildungspunkte beantragt.