Der Curriculum Grundlagenteil umfasst 3 Blöcke mit je 3 Tagen.
Inhalt:
Block I
Tag 1 + Tag 2: Grundlagen und Geschichte der Psychotraumatologie
  • Ankommen
  • Thematisierung „Was passiert bei einer Traumatisierung?“
  • Wie sind dissoziative Symptome zu erkennen
  • Aufgabe als Berater*in erkennen
Tag 3: Neurobiologie und Körper
  • Wie sind Traumafolgestörungen zu verstehen?
  • Thematisierung der Frage „Heilt ein Trauma über Zeit?“
  • körperliche Reaktionen auf traumatische Erfahrungen
  • Was hilft bei einer Traumafolgestörung?
Block II
Tag 4: Stabilisierung und Ressourcenfindung
  • Was kann stabilisieren?
  • Was bringen traumatisierte Menschen mit?
  • Wie lassen sich innere Bilder nutzen?
  • Wie kommt man mit traumatisierten Menschen ins Hier und Jetzt?
Tag 5: Psychosoziale Arbeitsfelder
  • Was ist eigentlich Traumapädagogik?
  • Auf was muss ich in der Beratung achten?
  • Auf was muss die Einrichtung achten?
Tag 6: Trauma und Selbstsorge
  • Sekundäre und eigene Traumatisierungen
  • Mitgefühlserschöpfung
  • Reflexion eigener Persönlichkeitsentwicklung
  • Erkennen von Übertragung und Gegenübertragung
  • Achtsamkeit, Resilienz, Ressourcen, Salutogenese
Block III
Tag 7: Psychotraumatologie des Kindesalters
  • Warum Kinder „anders“ sind
  • Hilflose Kinder – hilflose Eltern
  • Praktische Umsetzung
  • Arbeit mit nachgelagerten Systemen
Tag 8: Krisenintervention
  • Konzepte akuter Belastung und Traumatisierung
  • Traumaverarbeitung und Einflussmöglichkeiten im Zeitverlauf
  • Mögliche frühe Risikoeinschätzung und Screening
  • Praktische Ansätze und Gefahren früher Intervention
Tag 9: Traumafolgen abseits von ICD11 und DSM5
  • Krisen- und Trauermodelle
  • Entstehung und Aufrechterhaltung „komplizierter“ Trauerverläufe
  • Beraterische Arbeit mit Schuld und Scham
  • Informationen zum Opferschutz
Umfang:
Je Unterrichtstag: 9 UEs
Insgesamt: 81 UEs
Traumafokussierte Psychotherapie zählt zu den wirksamsten Behandlungsverfahren der Posttraumatischen Belastungsstörung. Gleichzeitig besteht insbesondere bei Patient:innen, die Opfer von Straftaten wurden oder ein Strafverfahren erwägen, häufig die Sorge, therapeutische Interventionen könnten Erinnerungen verändern und dadurch die spätere Aussage beeinträchtigen. Der Vortrag beleuchtet dieses Spannungsfeld zwischen psychotherapeutischer Behandlung und aussagepsychologischen Anforderungen.
Ausgehend von aktuellen Erkenntnissen zur Funktionsweise autobiografischer
Erinnerungen werden Grundlagen der Gedächtnispsychologie (u. a. Rekonsolidierung, Source Monitoring, Fuzzy Trace Theory) sowie mögliche Mechanismen von Erinnerungsveränderungen dargestellt. Anschließend wird diskutiert, welche Bedeutung diese Erkenntnisse für traumafokussierte Verfahren wie Prolongierte Exposition, EMDR und Imagery Rescripting haben. Dabei werden sowohl aktuelle internationale Forschung als auch eigene experimentelle Studien vorgestellt, die den Einfluss traumafokussierter Interventionen auf die Erinnerungsgenauigkeit untersuchen.
Anhand praxisnaher Fallbeispiele werden schließlich konkrete Handlungsempfehlungen für den therapeutischen Alltag erarbeitet. Ziel ist es, evidenzbasierte Traumatherapie und forensische Sorgfalt miteinander zu verbinden und einen reflektierten Umgang mit Traumaerinnerungen in der klinischen Praxis zu fördern.
Lernziele
  • die Funktionsweise autobiografischer Erinnerungen und zentrale Mechanismen
  • von Erinnerungsveränderungen erläutern,
  • aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zum Einfluss traumafokussierter
  • Psychotherapie auf Erinnerungen kritisch einordnen,
  • therapeutische Risiken suggestiver Vorgehensweisen erkennen und vermeiden,
  • den rechtlichen und aussagepsychologischen Kontext traumatherapeutischer
  • Behandlungen berücksichtigen,
  • praktische Handlungsempfehlungen für den professionellen Umgang mit Traumaerinnerungen im klinischen Alltag anwenden.
Methoden
  • Fachvortrag mit aktueller Evidenz
  • Darstellung und Diskussion klinischer Fallbeispiele
  • Einordnung aktueller Forschungsergebnisse
  • Praxisorientierte Handlungsempfehlungen
  • Diskussion und Erfahrungsaustausch
Umfang: 9 UEs
Bitte melden Sie sich in diesem Kurs an, wenn Sie KEINEN eigenen Fall in der Supervision einbringen möchten.
Die Supervision ist nur für die Teilnehmenden des aktuellen Curriculums vorgesehen.
Umfang: 9 UEs
Bitte melden Sie sich in diesem Kurs an, wenn Sie einen eigenen Fall in der Supervision einbringen möchten.
Die Supervision ist nur für die Teilnehmenden des aktuellen Curriculums vorgesehen.
Die Gegenübertragung – das heißt alle Gefühle, Einstellungen, Fantasien etc., die unser Gegenüber in uns auslöst – erlaubt Aussagen über die verinnerlichten Beziehungsmuster unserer Patienten. Diese Funktion der Gegenübertragung ist seit dem Aufsatz von Paula Heimann mit dem Titel „On Counter-Transference“ (1950) bekannt.
Bei traumatisierten Menschen hat sie noch eine weitere Bedeutung: Durch die Gegenübertragung werden Aussagen über den Stand der Traumaverarbeitung möglich.
In dem Seminar werden Methoden vorgestellt, wie eine systematische Gegenübertragungsanalyse gezielt genutzt werden kann, um einerseits die therapeutische Beziehung entwicklungsfördernd zu gestalten und andererseits die Integrationsstufe von Traumata zu bestimmen. So lassen sich wirksame Interventionen ableiten.
Zielgruppe: PsychotherapeutInnen, BeraterInnen und Fachkräfte im psychosozialen Bereich.
Um 10:00 Uhr findet ein zusätzlicher Präsenzvortrag statt.
Beide Veranstaltungen ergänzen sich gut, können jedoch auch unabhängig besucht werden.
Vergünstigte Gebühr: Bei gemeinsamer Buchung beider Module (Vortrag um 10:00 und Workshop um 14:00) reduziert sich der Gesamtpreis auf € 174.- statt € 194.-.
Wird Gegenübertragung als Manifestation dessen definiert, was im Patienten nicht verarbeitet werden kann und sich im Therapeuten zeigt (vgl. Ermann, 2008), wird unmittelbar verständlich, dass der Umgang mit traumatisierten PatientInnen große Anforderungen an die Behandler stellt.
In dem Vortrag wird die Geschichte des Begriffs der Gegenübertragung nachgezeichnet. Unterschiedliche Formen der Gegenübertragung werden anhand entwicklungspsychologischer Konzepte differenziert. Es wird aufgezeigt, wie die Gegenübertragung genutzt werden kann, um den Stand im Trauma-Verarbeitungsprozess zu bestimmen. Zudem wird dargestellt, wie sich die therapeutische Beziehung entwicklungsfördernd gestalten lässt.
Zielgruppe: PsychotherapeutInnen, BeraterInnen und Fachkräfte im psychosozialen Bereich.
Um 14:00 Uhr findet ein zusätzlicher Workshop statt.
Beide Veranstaltungen ergänzen sich gut, können jedoch auch unabhängig besucht werden.
Vergünstigte Gebühr: Bei gemeinsamer Buchung beider Module (Vortrag um 10:00 und Workshop um 14:00) reduziert sich der Gesamtpreis auf € 174.- statt € 194.-.
Dissoziative Anfälle und andere funktionelle Störungen gehören zu den häufigsten Krankheitsbildern in der klinischen Neurologie.
Dennoch werden sie oft verkannt, missverstanden und falsch behandelt. Die Zusammenführung psychotraumatologischer Konzepte und neuerer Erkenntnisse aus den kognitiven Neurowissenschaften ermöglichen einen ganzheitlichen Blick auf diese Störungen und ebnen den Weg zu einer transdisziplinären Versorgung.
Zielgruppe: Fachärzt*innen für Neurologie und Psychiatrie, Psychologische Psychotherapeut*innen, Traumatherapeut*innen, Neuropsycholog*innen, Ärzt*innen in Weiterbildung sowie weitere Berufsgruppen aus dem psychosozialen und medizinischen Bereich
Diagnostic questions
Does this patient suffer from dissociative amnesia, or are memory problems caused by episodes of absorption or concentration difficulties, or something else?
Are the voices psychotic, dissociative, or both?
How should identity problems be evaluated? Are they connected with (alternatively caused by) the existence of dissociative parts of the personality, or can they be explained as part of personality disorder pathology?
How can dissociative parts of the personality be distinguished from borderline modes or ego states?
Treatment questions
Once the diagnosis has been made, how should treatment be initiated?
Is phase-oriented treatment necessary, and if so, how long should it last?
How should patients with severe attachment problems be managed?
How should ongoing abuse be addressed?
How can therapist burnout, emotional overwhelm, or countertransference difficulties be prevented?
Day 1: Diagnostic focus
On Day 1, the focus is on diagnostic questions, introducing the Trauma and Dissociation Symptoms Interview (TADS-I). This interview differs from other semi-structured interviews in several ways:
It includes a section on other trauma-related symptoms in order to:
a) Develop a more complete clinical picture of possible comorbidity, including symptoms of PTSD and complex PTSD
b) Gain greater insight into the (possible) dissociative organization of the personality
c) Differentiate complex dissociative disorders from personality disorders and other conditions, such as (complex) PTSD, mood disorders, or psychotic disorders
Finally, the TADS-I aims to distinguish between:
Symptoms referring to a division of the personality
Symptoms involving other alterations of consciousness that are not necessarily dissociative
In a pilot study, the TADS-I was able to reliably differentiate DD patients from non-DD patients. Dissociative disorder (DD) patients differed significantly from non-DD patients in severity across all symptom profiles, including trauma-related symptoms and alterations of consciousness (Boon, Cavaletti & Boldrini, 2025).
Clinical examples and video clips will be used.
Day 2: Treatment focus
On Day 2, the focus is on major challenges in the treatment of complex dissociative disorders, such as:
Is a phase-oriented treatment model necessary, or can trauma memories be processed immediately?
Do we need a working alliance (and if so, with whom- which parts?)
What are the complications in patients with severe attachment problems?
How should ongoing abuse be addressed?
How can therapist burnout, emotional overload, or difficulties with countertransference be prevented?
References
Diagnosis:
Boon, S. (2023). Assessing Trauma-Related Dissociation with the Trauma and Dissociation Symptoms Interview. New York: W.W. Norton & Company.
German translation:
Boon, S. Die Diagnostik traumabedingter Dissoziation: Mit dem Trauma and Dissociation Symptoms Interview (TADS-I) arbeiten . Junfermann Verlag.
Boon-Langelaan, S., Cavaletti, M., Boldrini, M. P., & Runhaar, M. (2025). The Trauma and Dissociative Symptoms Interview (TADS-I): Results of a pilot study. European Journal of Trauma & Dissociation, 100611.
Treatment
Boon, S., Steele, K., & Van der Hart, O. (2013). Traumabedingte Dissoziation bewältigen – Ein Skills-Training für Klienten und ihre Therapeuten. Junfermann Verlag.
Steele, K., Boon, S., & Van der Hart, O. (2017). Die Behandlung traumabasierter Dissoziation – Eine praxisorientierte, integrative Vorgehensweise . G.P. Probst Verlag.
Bindungstraumatisierung ist keine Diagnose im Sinne der klassischen Diagnosesysteme (ICD, DSM). Dennoch kann sie weitreichende Folgen auf die Beziehungsgestaltung sowie auf die körperliche und psychische Gesundheit haben.
In diesem Vortrag wollen wir zunächst grundsätzlich klären, was unter Bindungstraumatisierung verstanden wird. Dabei nähern wir uns dem Thema aus einer nervensystemischen Perspektive an.
Darüber hinaus soll eine Idee vermittelt werden, warum es hilfreich sein kann, Bindungstraumatisierung auch im Kontext von Diagnosen zu berücksichtigen, die auf den ersten Blick nicht unmittelbar mit Trauma assoziiert werden – wie z. B. Depressionen oder chronische Entzündungsprozesse.
Der Vortrag bietet einen ersten Überblick über dieses Thema und richtet sich an alle Interessierten.
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Dieser Vortrag soll einen kurzen Einblick geben, wie unser Körper auf ein traumatisches Ereignis reagiert.
Unter Einbezug der Polyvagaltheorie von Stephen Porges und des Stresstoleranzfensters von Daniel Siegel ist es möglich, diesen körperlichen Ausnahmezustand nach traumatischen Erfahrungen besser zu verstehen.
Wie reagiert der Körper auf Traumatisierung? Weshalb gerät jemand nach einer Traumatisierung immer wieder in diese Ausnahmezustände? Und was bedeutet diese körperliche Regulationsstörung für die zukünftige Kontakt- und Beziehungsgestaltung traumatisierter Menschen?
Aus dieser eher körperpsychotherapeutischen sowie beziehungsorientierten Perspektive lassen sich therapeutische Implikationen für die praktische Arbeit ableiten, die ich in diesem Vortrag mit Ihnen teilen möchte.
Zielgruppe:
Vorrangig Menschen, die im sozialen Bereich tätig sind (Beraterinnen, Therapeutinnen, Sozialpädagog*innen), aber auch andere Interessierte.
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