Das zweitägige Seminar widmet sich dem vertieften Verständnis narzisstischer Dynamiken im psychotherapeutischen Kontext – sowohl aus der Perspektive von Patient:innen mit narzisstischen Charakterzügen als auch aus der Perspektive der Interaktionspartner:innen, die sich bewusst oder unbewusst in narzisstische Missbrauchs- oder Anpassungsdynamiken verstrickt haben oder hatten.
Im Mittelpunkt steht der professionelle Umgang mit narzisstischer Ego-Regulation sowie mit komplementär narzisstischen Anpassungsstrategien auf Seiten der Patient:innen wie auch der Therapeut:innen. Ziel ist es, ungesunde, rein regulierende psychodynamische Beziehungsgestaltungen frühzeitig zu erkennen und Wege zu entwickeln, wie daraus nachhaltige Entwicklungs- und Wachstumsprozesse entstehen können – für Patient:innen ebenso wie für Behandler:innen in ihrer therapeutischen Kompetenz.
Ein besonderer Fokus liegt auf der bewussten Arbeit mit Übertragung und Gegenübertragung. Typische Fallstricke wie narzisstische Tests, narzisstische Reaktanz oder scheinbar hilfreiche Strategien wie „es nicht persönlich nehmen werden kritisch beleuchtet und in eine reflektierte Metaperspektive überführt. Die Teilnehmenden lernen, Interaktionen differenziert auf der Spielebene und der Motivebene zu analysieren sowie das Funktionsniveau und die Selbststruktur bei der inneren Organisation des Selbst systematisch mitzudenken.
Auf dieser Grundlage wird nachvollziehbar, wie ein innerlich desorganisiertes Selbst, das primär über narzisstische Regulation funktioniert und andere als Selbstobjekte nutzt, schrittweise zu einer stabileren, reiferen Selbstorganisation finden kann. Die therapeutische Beziehung wird dabei als zentrale Quelle von Nachreifung und Erneuerung verstanden, an der unreife, narzisstische und ko-narzisstisch-dependente Strukturen sich weiterentwickeln können.
Ergänzend werden aktuelle evidenzbasierte Forschungsergebnisse zu narzisstischen Eigenschaften einbezogen, insbesondere zu grandiosem, vulnerablem und kommunalem Narzissmus. Frühe Bindungstraumata, genetische Faktoren und biografische Schlüsselereignisse werden als entscheidende Weichensteller in der Persönlichkeitsentwicklung beleuchtet. Ein dynamisches Verständnis narzisstischer Eigenschaften wird vermittelt, wonach dieselben Merkmale – abhängig von ihrem Ausprägungsgrad – sowohl funktional als auch dysfunktional wirken können.
Zielgruppe:
Psychologische Psychotherapeut:innen
Ärztliche Psychotherapeut:innen
Psychiater:innen
Therapeutisch tätige Fachpersonen mit tiefenpsychologischem, psychodynamischem oder integrativem Schwerpunkt
Fortgeschrittene in Ausbildung (nach Absprache)











