Narzissmus zeigt sich weniger in dem, was Menschen über sich sagen – sondern in dem, was sie in Beziehungen auslösen. Im Zentrum steht dabei ein oft übersehener Kern: Antagonismus als treibende Kraft – also die Tendenz zu Abwertung, Konkurrenz, Anspruch und instrumenteller Beziehungsgestaltung.
Aufbauend auf den Konzepten aus Ego First! (Fatfouta/Hagemeyer) wird Narzissmus als dynamisches System verständlich gemacht: ein „Motor“, gespeist aus Frustration, Scham und Versagensangst, der sich über Externalisierung, Delegation und Kontrolle entlädt.
Typisch problematisch ist dabei weniger die sichtbare Grandiosität als die Beziehungsmechanik dahinter:
Idealisierung und Entwertung, Deutungshoheit, Schuldumkehr und die Tendenz, eigene innere Spannungen in andere „auszulagern“. Beziehung wird funktional – nicht wechselseitig.
Der Vortrag differenziert präzise zwischen verschiedenen Ausprägungen:
– Grandioser/agentischer Narzissmus (Dominanz, Status, Durchsetzung),
– Vulnerabler Narzissmus (Kränkbarkeit, Rückzug, latente Entwertung),
– Maligne Formen (hoher Antagonismus + geringe Empathie),
– Abgrenzung zur Borderline-Dynamik: Hier stehen Impulsivität, Affektstürme und Bindungsinstabilität im Vordergrund – während narzisstische Muster stärker durch Kontrolle, Statusregulation und Antagonismus organisiert sind.
Ein entscheidender Perspektivwechsel betrifft auch die Gegenseite:
Warum lassen sich Menschen in solche Dynamiken hineinziehen? Das Konzept der „Besetzbarkeit“ beschreibt die oft unbewusste Bereitschaft, sich über Anpassung, Idealisierung oder fehlende Abgrenzung vereinnahmen zu lassen – statt einer eigenen, stabilen Position zu entwickeln.
Der Vortrag zeigt konkret:
– Welche No-Gos im Umgang Eskalation verstärken (Kränkung, Machtkampf, Spiegeln mit Entwertung),
– wie Abgrenzung ohne Gegenaggression gelingt und
– wie man mit narzisstischen Krisen und Kollapszuständen umgeht (Entwertung, Rückzug, rigide Idealfixierung vs. Öffnung für Realität).
Für beide Seiten werden Ausstiegswege sichtbar:
Der narzisstische Anteil muss lernen, dass das Ego keine stabile Wahrheit ist, sondern eine prüfbare Konstruktion, die an Realität wachsen kann.
Das Gegenüber entwickelt die Fähigkeit, sich nicht besetzen zu lassen, sondern in klarer Selbstverortung zu bleiben.
Der zentrale Entwicklungsschritt ist auf beiden Seiten derselbe:
Weg von Kontrolle und Idealisierung – hin zu Integration, Ambiguitätstoleranz und empathischer Beziehung.
Zielgruppe:
Psychotherapeut:innen, psychosoziale Fachkräfte, Ärzt:innen, Coaches, Berater:innen, Jurist:innen, Mediatori:innen sowie alle, die narzisstische Dynamiken nicht nur erkennen, sondern wirksam verändern wollen
Diese beiden Gefühle gehören seit der Vertreibung aus dem Paradies in vielen Facetten zum Menschsein. Vielleicht sind sie sogar besonders menschliche Gefühle. Gemeinsam ist ihnen, dass sie unseren Selbstwert betreffen und eine wichtige Rolle im Zusammenleben spielen. Beide sind so unangenehm und schmerzlich, dass wir sie uns möglichst nicht anmerken lassen wollen. Häufig sind sie Ursache von Widerstand, Verstrickungen und Übertragungen.
Scham hat mit unserem Selbstwert und unserer Integrität zu tun. Sie spielt eine wichtige Rolle beim Erlernen der Regeln einer Gemeinschaft und auch beim Schutz vor Gefahren. Das „Sich-schämen-Können“ ist uns innewohnend; wofür wir uns schämen, hängt jedoch von der Umgebung und der Kultur ab, in die wir hineingeboren wurden und in der wir leben.
Wer sich schämt, fühlt sich fehlerhaft, unwert oder ungeliebt und fürchtet, aus der Gemeinschaft „herauszufallen“. Man möchte „im Boden versinken“ oder versucht mit unterschiedlichen Strategien, dieses Gefühl abzuwehren.
Schuld hat mit dem Thema Gerechtigkeit und mit Ausgleich zu tun. Schuld entsteht durch eigenes Handeln oder durch die Verletzung von Normen.
In diesem Seminar möchte ich mich diesen mächtigen Gefühlen von verschiedenen Seiten nähern und sie gemeinsam mit Ihnen erkunden.
Wir werden:
– die positiven Seiten der Scham betrachten,
– verletzte Scham und Schamlosigkeit differenzieren,
– Scham in der Übertragung verstehen,
– den Einfluss von Scham auf Selbstwert und Zugehörigkeit beleuchten,
– Möglichkeiten erkunden, traumatische Scham konstruktiv aufzulösen,
– den Unterschied zwischen Schuld und Schuldgefühl klären,
– über Überlebensschuld sprechen,
– Wege aus der Schuld heraus erarbeiten.
Neben theoretischen Impulsen und praktischen Demonstrationen wird es Übungen sowie persönliche Arbeitssequenzen geben.
Für diese Veranstaltung werden Fortbildungspunkte bei der BLÄK beantragt.
Das THZM lädt erfahrene Psychotherapeut*innen, die auf dem Gebiet der Psychotraumatologie tätig sind, zur Teilnahme an einer fortgeschrittenen Online-Supervision mit Dr. Jan Gysi ein. Diese Supervision bietet eine professionelle Plattform für den Austausch von Wissen, die Diskussion von Fallstudien und die Weiterentwicklung klinischer Fähigkeiten im Umgang mit komplexen Traumafolgestörungen.
Die Supervisionsveranstaltungen werden online über Zoom abgehalten. Jede Gruppensupervision dauert von 14.00 bis 17.15h, inkl. 15 Minuten Pause. Sie besteht aus einer Kombination von Fallvorstellungen, theoretischen Inputs und Diskussionen. Jeweils 4 Personen können einen eigenen anonymisierten Fall vorstellen. Weitere Fachpersonen sind eingeladen, bei den Supervisionen zuzuhören und bei Bedarf Fragen zu stellen.
Technische Teilnahmevoraussetzung:
-Bitte stellen Sie sicher, dass Ihre Kamera funktionsfähig ist und diese auch eingeschalten ist (dies betrifft auch alle TeilnehmerInnen OHNE Darstellung eines eigenen Falls)!
-Bitte stellen Sie sicher, dass Ihr Ton funktionsfähig und verständlich ist. Bitte ggf. entsprechend muten.
-Die technische Umsetzung (Zoom funktionsfähig, ggf. ein Update), erfolgt eigenverantwortlich. Technischer Support kann nicht gewährleistet werden.
Die Teilnahme ist nur mit eingeschalteter Kamera möglich. Andernfalls kann ein Ausschluss vom Kurs erfolgen; ein Anspruch auf Rückerstattung besteht in diesem Fall nicht.
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