Dipl.Psych., Dipl.Päd., Psychologische Psychotherapeutin, Spezielle Traumatherapeutin (DeGPT), EMDR-Therapeutin, Aufsichtsratsmitglied Trauma Hilfe Zentrum München, Vorstandsmitglied der Deutschsprachigen Gesellschaft für Psychotraumatologie DeGPT e. V.
Mitglied der Arbeitsgruppe Dissoziative Störungen der DeGPT
Männer als Überlebende von Gewalt - Frauen als Täterinnen
Online - Diagnostische und therapeutische Perspektiven im Rahmen der ICD-11
Gewalt wird gesellschaftlich wie auch fachlich häufig entlang traditioneller Rollenbilder verstanden: Männer als Täter, Frauen als Opfer.
Diese Zuschreibungen prägen Wahrnehmung, Diagnostik und Versorgung - und tragen dazu bei, dass bestimmte Betroffenengruppen unzureichend erkannt und behandelt werden.
Insbesondere Männer als Überlebende interpersoneller Gewalt sowie Erfahrungen mit weiblichen Täterinnen sind häufig mit Tabuisierung, Bagatellisierung oder diagnostischer Unsicherheit verbunden. Dies kann zu Fehleinschätzungen, inadäquaten Behandlungsansätzen oder Versorgungslücken führen.
Die Veranstaltung orientiert sich am Klassifikationssystem der World Health Organization und den Kriterien der ICD-11. Im Mittelpunkt steht ein störungsübergreifendes Verständnis traumatischer Belastungen, das insbesondere die Unterscheidung zwischen posttraumatischer Belastungsstörung und komplexer posttraumatischer Belastungsstörung berücksichtigt.
Ein besonderer Fokus liegt auf den sogenannten Störungen der Selbstorganisation (Disturbances in Self-Organization, DSO) - Affektregulationsstörungen, negatives Selbstkonzept und Beziehungsstörungen -, wie sie insbesondere nach chronischer, interpersoneller Gewalt auftreten.
Gerade bei männlichen Betroffenen zeigen sich diese häufig in weniger „klassischen" Symptombildern, etwa durch Externalisierung, erhöhte Reizbarkeit, Rückzug oder verdeckte Scham- und Schuldthematiken.
Zentrale Inhalte der Veranstaltung sind:
- ICD-11-Traumakonzept: Ereignisdefinition, Symptomcluster und diagnostische Abgrenzung
- PTBS vs. kPTBS: Bedeutung der DSO-Symptomatik für Diagnostik und Therapieplanung
- Geschlechtsspezifische Ausdrucksformen traumatischer Belastungen, insbesondere bei Männern
- Frauen als Täterinnen: Dynamiken, Beziehungskontexte sowie Auswirkungen auf Symptompräsentation und Deutung
- Differenzialdiagnostische Herausforderungen, insbesondere gegenüber Persönlichkeitsstörungen (z. B. Borderline-Strukturen), affektiven Störungen und Suchterkrankungen
- Implikationen für die therapeutische Haltung: Umgang mit Scham, Ambivalenz, Loyalitätskonflikten und gesellschaftlich geprägten Erwartungsmustern
Die ICD-11 eröffnet durch ihre strukturbezogene Perspektive neue Möglichkeiten, komplexe traumatische Verläufe differenziert zu erfassen. Dies ist insbesondere dann bedeutsam, wenn klassische Opfer-Täter-Schemata nicht greifen und klinische Präsentationen von gängigen Erwartungsmustern abweichen.
Ziel der Veranstaltung ist es, die diagnostische Sicherheit zu erhöhen, die eigene Wahrnehmung für blinde Flecken zu schärfen und einen differenzierten, traumasensiblen Zugang zu bislang unterrepräsentierten Patient:innengruppen zu fördern.
Zielgruppe:
Die Veranstaltung richtet sich an approbierte Psychotherapeut:innen, Ärzt:innen sowie erfahrene Fachkräfte aus psychosozialen Arbeitsfeldern.
Ingrid Wild-Lüffe
Termin
Fr, 18.09.2026, 09:30 – 17:00 Uhr
Online-Angebot
Gebühr: 235,00 €
Ermäßigte Gebühr für Mitglieder: 223,00 €
Zielgruppe: Fachleute
Zielgruppe: Fachleute
Anmeldung
Für diese Veranstaltung werden Fortbildungspunkte beantragt.


